Baubiologie & Nachhaltigkeit

Nachhaltige Baustoffe für ein gesundes Raumklima

Unsere Gebäude sind mehr als nur Strukturen aus Stein, Beton & Holz. Sie sind unsere Zuflucht, unser Arbeitsumfeld & unser Lebensraum. Sie haben einen tiefgreifenden Einfluss auf unsere Gesundheit & unser Wohlbefinden. Die Auswahl der richtigen Baustoffe spielt eine entscheidende Rolle bei der Schaffung eines gesunden Raumklimas & dem Schutz unserer Umwelt. Sie kann den Unterschied ausmachen zwischen einem Raum, in dem man frei atmen & sich regenerieren kann, & einem Umfeld, das Stress oder Unbehagen verursacht.
In diesem Artikel untersuchen wir verschiedene nachhaltige Baustoffe & deren Einfluss auf die Qualität der Raumluft. Begleiten Sie uns auf dieser Reise zu einer bewussteren & gesünderen Art des Bauens, in der Ihr Wohlbefinden im Mittelpunkt steht.

Nachhaltige Baustoffe für ein gesundes Raumklima

Teil 1: Nachhaltige Baustoffe im Profil

Ökologisch nachhaltige Baustoffe zeichnen sich durch ihre Schadstofffreiheit & ihre hervorragende Umweltbilanz aus. Hier schauen wir uns einige von ihnen etwas genauer an.

Lehm: Der altbewährte Alleskönner

Lehm ist seit Jahrhunderten bewährt & wieder voll im Trend!

Es gibt kaum ein nachhaltigeres Material als Lehm.

  • Er besitzt ausgezeichnete feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften & kann sogar Schadstoffe aus der Luft filtern.
  • Lehm ist zudem nahezu unendlich oft wiederverwendbar.
  • Neben klassischen Putzen/Mörteln gibt es heute moderne Trockenbauplatten (teils mit integrierten Heizleitungen für Wandheizungen).
    Ebenfalls erhältlich sind Lehmsteine in vielen unterschiedlichen Ausführungen. Ob als schweres tragendes Element, oder Leichtlehmstein mit dämmenden Zusätzen – die Auswahl ist heute groß.
  • Mit etwas Geschick & ggf. fachmännischer Anleitung ist Lehm auch sehr gut DIY-geeignet.

Kalk: Natürlicher Schutz & Frische

Kalk ist äußerst vielseitig & umweltfreundlich. Leider hat die Baustoffindustrie den grundsätzlich sehr zu begrüßenden Trend hin zum Kalk für sich entdeckt & verkauft unter der Überschrift „Kalk“ allerlei fragwürdige Produkte. Ein genauer kritischer Blick ist daher unerlässlich!

Für Schimmelprobleme gibt es eine natürliche Lösung – Kalk.

  • Kalkbasierte Materialien sind von Natur aus alkalisch. Sobald sie feucht werden, wirken sie aktiv schimmelhemmend. Zudem können sie Schadstoffe aus der Luft absorbieren.
  • Ebenfalls mit sehr guter Fähigkeit Feuchtigkeit aufnehmen & wieder abgeben zu können (Pufferwirkung).
  • Kalkputze, Kalkfarben, aber auch Hanf-Kalk-Steine & Trockenbauplatten sind eine ökologisch wertvolle Lösung.
  • Kalk ist langlebig, kleinere Schäden können gut ausgebessert werden.
  • Auch als Dämmputz (mit Zuschlägen wie Perliten oder Blähglas) & hervorragenden Eigenschaften erhältlich.

Holz: Der CO₂-Speicher

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff mit einer unvergleichlichen ästhetischen & haptischen Qualität.

Holzprodukte sind unglaublich vielseitig einsetzbar.

  • Holz bietet eine natürliche Wärmedämmung & trägt zur Behaglichkeit bei.
  • Besonders wertvoll: Während seines Wachstums bindet Holz große Mengen CO₂, das über Jahrzehnte in Gebäuden & Möbeln gespeichert bleibt. Auch nach seiner Nutzungsphase setzt Holz nicht mehr CO₂ frei, als es in der Wachstumsphase aufgenommen hat.
  • Es kann Feuchtigkeit aufnehmen & wieder abgeben & so positiv zu einem guten Raumklima beitragen.
  • Ob als Konstruktionsholz, Bodenbelag oder Dämmstoff – Holz ist einer der vielseitigsten Baustoffe überhaupt & auch im konventionellen Bau nicht wegzudenken.
  • Auch mehrgeschossige Gebäude können in Holzbauweise ausgeführt werden.

Hanf: Die nachhaltige Dämmstoff-Revolution

Die Hanfpflanze wächst schnell, ist recht anspruchslos & kommt beim Anbau ohne Pestizide aus.

Ein uralter Baustoff, der leider zu Unrecht über Jahrzehnte in der Verbannung war.

  • Hanffasern regulieren Feuchtigkeit effizient & besitzen natürliche dämmende Eigenschaften. Zudem ist Hanf langlebig & schwer brennbar.
  • Als Dämmmaterial oder in Kombination mit Kalk & Lehm bietet Hanf eine erstklassige, schimmelresistente Alternative zu konventionellen Dämmstoffen.
  • Hanf-Kalk-Steine binden nicht nur das CO₂ aus der Wachstumsphase, sie zeichnen sich auch durch weitere hervorragende Eigenschaften aus: ungezieferresistent, brandsicher, schallabsorbierend & diffusionsoffen.

Weitere Materialien:


Neben den genannten Beispielen gibt es noch viele weitere nachhaltige Baustoffe, die teils nur für kleine Nischen, teils aber auch für Anwendungen im größeren Maßstab taugen.

Schafwolle: Ein hervorragendes Dämmmaterial.
Schafwolle besitzt die einzigartige Fähigkeit, Schadstoffe (wie z. B. Formaldehyd) aus der Raumluft aufzunehmen & chemisch dauerhaft zu binden, also zu neutralisieren. Wir bezeichnen sie oft als natürlichen „Luftreiniger“.

Kork: Ist extrem widerstandsfähig gegen Fäulnis & Schädlinge. Er eignet sich hervorragend als Dämmung, Trittschalldämmung oder als Sichtboden. Er ist fußwarm, antistatisch & schont die Gelenke.

Stroh & Schilf: Schilfrohrplatten dienen als idealer Putzträger für Lehm- oder Kalkputze. Sie sind diffusionsoffen & verrotten kaum, da Schilf von Natur aus einen hohen Siliziumanteil (Kieselsäure) besitzt.
Baustroh ist perfekter CO₂-Speicher. Ein Haus aus Strohballen bindet große Mengen Kohlenstoff. In Kombination mit Lehmputz bietet es zudem einen hervorragenden Brandschutz.

Teil 2: Auswirkungen auf Ihr Wohlbefinden

Die Verwendung dieser Materialien verändert die Atmosphäre eines Raumes spürbar. Während konventionelle Baumaterialien oft Schadstoffen emittieren, tragen Naturbaustoffe aktiv zu einer guten Raumluft bei. Teilweise können sie sogar Schadstoffe binden & somit unschädlich machen.

Gut für die Umwelt, aber vor allem gut für den Menschen.

  • Regulierung der Luftfeuchtigkeit: Lehm, Kalk, Holz & Co. können Feuchtigkeit aufnehmen & bei Bedarf wieder abgeben. Das sorgt für ein stabiles Raumklima.
  • Behaglichkeit & Schutz: Holz mit seiner einzigartigen Optik bietet natürliche isolierende Eigenschaften & reduziert den Energieverbrauch. Hanf sorgt zudem für eine effiziente Schalldämmung & ein ruhigeres Wohnumfeld.
  • Naturfarben & Naturfasern: Naturfarben aus Pflanzen- & Mineralpigmenten sowie Naturfasern (Wolle, Baumwolle, Leinen) strahlen eine beruhigende Atmosphäre aus. Sie sind langlebig, neigen nicht zu statischer Aufladung & umweltfreundlich.

Wichtig auch bei Naturprodukten:

Wir hinterfragen die Schadstofffreiheit auch bei Naturprodukten immer kritisch, da diese leider nicht automatisch garantiert ist.

Teil 3: Kostenbetrachtung – eine Investition in die Zukunft

Die Verwendung nachhaltiger Baustoffe ist zweifellos eine investitionsintensive Entscheidung. Im Vergleich zu konventionellen Materialien können höhere Anschaffungskosten anfallen.

Kostenvergleich

Als Mehrkosten für baubiologisch verträgliches Bauen werden oft Werte zwischen 5 % & 15 % genannt. Diese Unterschiede variieren stark je nach Material

  • Lehm ist teils kostengünstig verfügbar.
  • Kalk & Hanf können in der Anschaffung teurer sein, bieten aber enorme Vorteile bei der Schimmelresistenz & Entsorgung.
  • Naturfarben & Fasern zahlen sich durch Langlebigkeit & den Schutz der Innenraumluftqualität aus.
  • Holz als Bauholz wird auch im konventionellen Bau verwendet – hier entstehen kaum Mehrkosten (außer durch höhere Qualität).
    Hochwertige, zeitlose Massivholzmöbel sind oft über Jahrzehnte Mittelpunkt in Räumen & gleichen so Ihre Anschaffungskoste durch Langelebigkeit aus.

Die höheren Anfangsinvestitionen sollten im Kontext als Investition in eine gesunde Zukunft betrachtet werden. Längere Lebensdauern, geringere Instandhaltungskosten & der Schutz der eigenen Gesundheit rechtfertigen den Preisaufwand.
Am Ende des Produktlebenszyklus – der Entsorgung – haben Naturmaterialien dann wiederum Kostenvorteile gegenüber konventionellen Materialien.


Konventionelle Materialien:

Zur Einordnung & warum der Begriff eigenlich falsch verwendet wird.

Mit konventionellen Materialien sind Materialien gemeint, die eigentlich erst in der Nachkriegszeit erfunden wurden oder erst seit dem eine höhere Verbreitung haben.

Eigentlich sind die vorgestellten naturmaterialien die konventionellen Baustoffe.

Erst seit einigen Jahren gibt es auch wieder einen Trend zu mehr natürlichen Baustoffen mit ihren hervorragenden, wohngesunden Eigenschaften.

Fazit: Was ist Gesundheit wert?

Nachhaltige Baustoffe sind zwar in der Anschaffung oft teurer, bieten jedoch langfristige Vorteile, die die anfänglichen Kosten rechtfertigen. Diese Materialien tragen dazu bei, Betriebskosten zu senken, indem sie Energieeffizienz fördern, die Gesundheit der Bewohner verbessern & die Umweltauswirkungen minimieren. In der heutigen Zeit, in der Umweltfreundlichkeit & Wohlbefinden immer wichtiger werden, sollten die höheren Kosten von nachhaltigen Baustoffen als eine Investition in eine nachhaltige und gesunde Zukunft betrachtet werden.

Den höheren Kosten kann auch mit klugen Entscheidungen bspw. smarten Low-Tech-Lösungen entgegengewirkt werden. Geringere Wartungskosten können hier langfristig einen Teil der Kosten wieder einspielen.

Den wahren Wert der eigenen Gesundheit erkannt man leider oft erst, wenn diese angeschlagen ist.

Wir bei der BauBiologie Wagner unterstützen Sie dabei, die richtigen Materialien für Ihr Projekt auszuwählen, damit Ihr Zuhause ein Ort der echten Erholung wird.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Blogbeitrag dient ausschließlich der Information & ersetzt keine medizinische Diagnose oder Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Mediziner und/oder weitere Fachleute konsultieren.

Weiterführende Informationen & Fachportale

Für eine vertiefte Recherche:
DGNB – Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
Umweltbundesamt (UBA): Nachhaltiges bauen
IBN – Institut für Baubiologie & Nachhaltigkeit

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